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Montag, 31. Juli 2006 16:26
Interview: Langfristiges Konzept bei TheaternFREIES WORT-Interview mit CDU-Generalsekretär Mike Mohring. Die geplanten Abstriche bei Theatern und Orchestern in Thüringen, die für einige Ensembles das Aus ab 2009 bedeuten dürften, haben für erhebliche Verunsicherung im ganzen Land gesorgt. Betroffen sind unter anderem die Thüringen-Philharmonie Gotha-Suhl oder auch das Theater Nordhausen. Wir wollten dazu vom CDU-Generalsekretär und Finanzpolitiker Mike Mohring wissen, ob diese Veränderungen in der Kulturlandschaft Thüringens wirklich unvermeidlich sind. ? - Wann waren Sie das letzte Mal in Theater, Oper oder Konzert? Was hat die Karte gekostet? Mike Mohring: Vor zwei Wochen. „Mozart“ mit dem Karasch-Ensemble beim Verein Grüner Salon in Roldisleben – 17 Euro. Und Robbie Williams – 73 Euro. ? - Das ist – selbst wenn man beide Karten zusammennimmt – weniger als der Betrag, mit dem die öffentliche Hand in Thüringen heute eine Theater- oder Opernkarte in einer der Landesbühnen subventioniert. Mohring: Das ist richtig. Im Schnitt wird jede Karte mit durchschnittlich 125 Euro aus öffentlichen Mitteln bezuschusst. Und genau das gibt mir zu denken. ? - Im Hinblick auf die Reform der Theaterfinanzierung in Thüringen? Mohring: Zunächst einmal halte ich es für richtig und gut, dass Kultusminister Jens Goebel das Thema überhaupt anfasst. Es besteht in der Tat dringender Reformbedarf. Als Finanzpolitiker sage ich jedoch auch: Das Konzept greift zu kurz. Eine Debatte über zehn Millionen Euro weniger für die Thüringer Bühnen führt nicht weit genug. ? - Inwiefern? Mohring: Angesichts der zu erwartenden Mindereinnahmen brauchen wir langfristig tragende Strukturen. Dazu ist ein Konzept notwendig, mit dem bei deutlich niedrigeren staatlichen Zuschüssen eine erstklassige Kultur geboten wird. Im Prinzip ist es doch ein Unding, dass die Leute 73 Euro oder sogar bis zu 190 Euro bei den Rolling Stones für eine Popkonzertkarte ausgeben, aber im Durchschnitt nicht mehr als 30 Euro für eine Theaterkarte bezahlen wollen. Meiner Meinung nach können die Häuser für gute Aufführungen auch mehr Geld nehmen. ? - Mehr Eigeneinnahmen, weniger Subventionen. Da spricht der Finanzpolitiker ... Mohring: ... der ich ja nun einmal bin. Schauen wir uns die Zahlen an: Bis 2019 werden die Einnahmen des Landes etwa durch Streichung von Bundeshilfen oder Abwanderung immer wieder sinken. Am Ende dieser Entwicklung fehlen uns vorhersehbar zwei Milliarden Euro jährlich im Vergleich zu heute. Wir müssen die Reform der Theaterfinanzierung daher notwendigerweise vor dem Hintergrund dieser Langfrist-Prognosen führen. Eine Reduzierung der Mittel um zehn Millionen Euro jährlich wird mittelfristig nicht zu halten sein. ? - Sie plädieren für weitere Schließungen? Mohring: Ich plädiere für ein Konzept, das langfristig Bestand haben soll. Ich plädiere für ein Konzept, das möglicherweise weniger Bühnen-Mittel für qualitativ hochwertige Kultur ermöglicht. Und wenn es sich am Ende aller Überlegungen nicht vermeiden lässt, plädiere ich dafür, Ensembles zu reduzieren, aber nicht die Häuser zu schließen. Arnstadt etwa wird seit vielen Jahren von auswärtigen Tourneetheatern bespielt. Das geht doch auch. ? - Nun führt der Kultusminister bereits Gespräche mit den einzelnen Häusern auf der Grundlage seines Konzeptes. Es ist kaum vorstellbar, dass er hinter seine eigenen Pläne zurückgeht. Mohring: Wie gesagt, es ist gut und mutig, dass das Thema überhaupt debattiert wird, immerhin erntet ein Minister mit Streichungen im Kulturbereich stets Kritik. Aber vielleicht sollten wir die Theater-Förderung, die ja bis Ende 2008 in voller Höhe garantiert ist, noch ein oder zwei Jahre weiter laufen lassen, und in der Zwischenzeit alle gemeinsam an einem Konzept arbeiten, das sowohl eine langfristige Perspektive als auch die Sicherung einer hohen künstlerischen Qualität in den Vordergrund stellt. |
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